Nur noch ein allerletzter Kuss, und dann will ich sterben...

 

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"Ich liebe dich"

"Ich liebe dich!" beteuerte sie unter Tränen, doch er wandte sein Gesicht ab, glaubte ihr nicht. Wollte ihr nicht glauben. Nicht dieses Mal. Jedes Mal zuvor hatte er sie wieder in den Arm genommen, sie getröstet, ihr geglaubt. Es zumindest versucht zu vergessen. Jedes Mal.
Dieses Mal war es anders. Dieses Mal war es jemand, den er kannte. Gut kannte. Zu kennen glaubte. Früher einmal.

"Ich hab deine kleine Schlampe gefickt, sie ist echt gut im Bett."

Das war alles. Das war alles, das dazu nötig war, seine Welt einstürzen zu lassen. In ihm wilden, kochenden Hass zu entfachen. Der sich irgendwann in kaltes, eisiges Nichts verwandelte. Er spürte nichts, wenn er sie ansah, spürte nichts, wenn er ihre Lügen hörte. Nur wenn er an seinen "besten Freund" dachte, mit dem sie ihn so schändlich betrogen hatte, nur dann fühlte er einen kleinen Stich in seinem Inneren. Einen sehr kleinen.
Sie weinte noch immer, als er sie ansah, ihr ins Gesicht starrte, auf ihren Mund, den er so oft geküsst hatte, der jetzt Dinge sagte, die sie eigentlich nicht meinte, über Liebe, Vertrauen, Reue. Er starrte in ihre Augen, in denen er so oft versunken war, die jetzt tränennass waren, geheuchelte Tränen. Ihre Schminke war verlaufen, was sie grotesk aussehen ließ, ein weinender Clown. Er starrte sie an, und sie schwieg. Sie sah ihm ins Gesicht, der Blick reuevoll, bis sie ihn schließlich senkte. Das Nichts in ihm bewegte sich, versuchte, zu verschwinden, um an seiner statt etwas anderes zurückzulassen, etwas großes, brennendes, das ihn zum Beben brachte.
Seine Hände zitterten, als er sie anhob, zu Fäusten ballte. Nie wieder würde er sich von ihr so enttäuschen lassen. Nie wieder würde er sich so von ihr abhängig machen. Nie wieder würde er einen Gedanken daran verschwenden, mit wem sie gerade im Bett lag.
Nie wieder.
Angstvoll blickte sie zu ihm auf, als seine Fäuste ihrem Gesicht näher kamen.
Sanft fuhr er ihr damit über die Wangen, den Mund, während er versuchte, ihr das Versprechen abzuringen, ihm nie wieder so etwas anzutun.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen.
                         "Ich liebe dich!"

30.6.08 19:13
 


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